Poesie-Wettbewerb am Goethe-Schiller-Gymnasium

Am 4. April fand der 1. Poesie-Wettbewerb des Goethe-Schiller-Gymnasiums in Jüterbog statt. Neben einem Wettstreit im Rezitieren – zu Gehör kamen z. B. Texte von Friedrich Schiller, Jules Verne oder Jan Philipp Zymny – wurden auch Texte aus eigener Feder vorgetragen. Egal ob Ballade, Büttenrede, Erzählung, … – die teilnehmenden Schüler hatten sich gründlich vorbereitet und begeisterten mit heiteren wie auch nachdenklich stimmenden Texten sowie spannenden Plots. Allen ein großes Dankeschön für die erstaunlich guten Beiträge.
Auch die Themen Krieg, Flucht, Freundschaft, Toleranz beschäftigten die Schüler und wurden in den Beiträgen verarbeitet.  Davon nachfolgend zwei Beispiele.


Herzlichen Glückwunsch an Paul Keppler. Mit seinem Poetry Slam „Uns geht es wirklich gut!“ gewann er den Wettbewerb.  Nicht nur der Inhalt seines Beitrags, vor allem auch sein Vortrag war beeindruckend. Verdient erhielt er den Wanderpokal.

Uns geht es wirklich gut!

Poetry Slam von Paul Keppler, Goethe-Schiller-Gymnasium, 10b
  1. Und die nächsten Schüsse fallen in der Ferne. Doch das Schlimme ist, du kennst das Geräusch, du kennst die Angst. Die Angst alles zu verlieren. Aber was ist alles, wenn du eigentlich gar nichts hast? Zitternd nimmst du deine Frau in den Arm, die schon seit Tagen um ihren jüngsten Sohn weint, der unter Trümmern des Krieges begraben wurde. Eine weitere Bombe schlägt ein und bringt die schreckliche Dunkelheit der Nacht zum Beben. Dir schwirren tausende Gedanken durch den Kopf, doch eins steht fest: „Dieses Leben ist nicht lebenswert!“
  2. Und wieder hältst du deine weinende Frau im Arm, doch die Dunkelheit ist vergangen. Wie ein tapferer Kämpfer hat sich die Sonne den Tag zurückerobert und strahlt nun mit voller Kraft auf den Sand, den du unter deinen Füßen spürst. Das blaue Meer, das so unendlich scheint, gewinnt dir ein lächeln ab und erinnert dich an das letzte Bisschen Hoffnung das du noch hast. Das letzte Bisschen Hoffnung, auf ein sicheres Leben in Frieden. Und jetzt? Jetzt heißt es Abschied nehmen. Ein letztes Mal schaust du mit Tränen in den Augen, aber einem stolzen Lächeln in die Gesichter deiner Familie. Wirst du sie je wiedersehen? Wirst du die Lippen deiner Frau je wiederspüren? Wirst du da sein, wenn deine hübsche Tochter heiratet? Wirst du sehen können, wie dein Sohn zu einem stolzen Mann heranwächst? Unzählige Fragen lassen dich in einer furchtbaren Ungewissheit auf dieses alles entscheidende Boot steigen. Einen letzten Blick wirfst du zurück, als du dich in brennender Hitze, von der Küste entfernst. Dein Schweiß vermischt sich mit deinen Tränen, deine Hoffnung mit der Angst.
  3. Das Zeitgefühl geht, zusammen mit einigen anderen Passagieren dieser sinnbildlichen Titanic, verloren. Du fühlst dich leer und weißt: du bist am Ende. Hunger, Durst, Angst, Schmerz und Müdigkeit versuchen dich zu ertränken. Das ungleichmäßige Geräusch des Motors brennt sich in deinen schmerzenden Kopf ein, wie die verzweifelten Hilfeschreie eines Mannes, der sich geistesabwesend um den Körper seines verstorbenen Sohnes klammert. Die Wellen werden höher und höher; türmen sich auf zu zerstörerischen Eisbergen. Und plötzlich kippt das Boot. Doch du hörst nichts, außer dem gewaltigen Meeresrauschen. Ja, die Menschen sind zu schwach, um einen Schrei oder nur Gewimmer auszustoßen. Mit letzter Kraft versuchst auch du dich über Wasser zu halten, doch du weißt: Es ist vorbei. Du siehst deine Frau, du siehst deine Kinder ein letztes Mal und dann, dann lässt du los.
  4. Zur gleichen Zeit in Deutschland sitzen wir auf unserer Couch und schauen die Tageschau oder das ZDF heute-journal, in dem uns Klaus Kleber, die mittlerweile nervig gewordene Nachricht, von einem weiteren, gekentertem Flüchtlingsboot überbringt. Danach erläutert er uns den Wahltrend, in dem die Alternative für Deutschland nun schon bei 15% steht. „Geschafft“ vom harten Tag, holen wir uns eine eisgekühlte Limo aus dem Kühlschrank, ohne zu realisieren, wie gut es uns eigentlich geht; das es keine Selbstverständlichkeit ist, ruhig zu schlafen, auf’s Goethe-Schiller Gymnasium zu gehen oder sich schnell noch ´ne Limo aus dem Supermarkt von nebenan zu holen. Denn irgendwo in einem fernen Land kauert eine verletzte Frau allein in den Trümmern ihres Hauses und hat alles verloren, was sie je hatte.

Toleranz

von Malin Preiß, Goethe-Schiller-Gymnasium, Klasse 8b

Was verbirgt sich dahinter?
Was steckt darin?
In dem kurzem Wort mit großem Sinn.
Vergöttert, geliebt, gehasst oder gar vermisst,
ein Begriff für manche, vielleicht auch für dich.

Startschuss: Bus, Bahn, Schule, Uni und Arbeit auf dem Plan.
Gefordert wird sie überall,
doch was ist zu wenig oder gar zu viel?
Ob Kirchen in Marokko, Synagogen in der Türkei,
Burkas in Deutschland oder kein Schwein in der Fleischerei?
Wo ist die Grenze und wo ist´s vorbei?
Das Mittelmaß zu finden, da liegt´s dabei.

Doch jeder toleriert was Anderes,
mancher zu wenig, mancher zu viel
und ein Anderer ist in seinen Ansichten stur wie ein Stier.
Doch wichtig ist sie allemal,
nicht nur dort bei euch und hier bei uns,
auch in Amerika, Afrika, und, und, und.

Toleranz ist wichtig,
Toleranz macht Sinn,
Toleranz ist Alles und wir werden sie hoffentlich bald überall finden.

 

Der Traum

von Dietmar Geister

Ich hatte diese Nacht einen seltsamen Traum.
Wieso g’rade ich, das glaubt man doch kaum?
Ich bin ja kein Muslim, kein Jude, kein Christ,
sondern nur ein ungläubiger Atheist.
In meinem Traum, der mich machte betroffen,
habe ich den lieben Gott getroffen.

ER sagte zu mir, was machst du für ein Gesicht?
Ich fragte ihn, ja siehst du denn nicht,
was hier auf der Erde so vor sich geht
und wie der Mensch Nächstenliebe versteht.
Er liebt sicher das, was am nächsten ihm liegt.
Er liebt Geld und liebt Macht. Dafür führt er auch Krieg.

Die Natur wird zerstört. Die Tiere, die leiden.
Uns’re Enkel sind wirklich nicht zu beneiden,
um das, was wir ihnen mal hinterlassen
und im Endeffekt, es ist nicht zu fassen,
sagen diejenigen, die hier alles zerstören,
sie würden auf deine Worte nur hören.
Sag, lieber Gott, ich kann es nicht raffen,
wie konntest du solche Menschen erschaffen?

Ich machte eine Pause. Da sprach Gott zu mir,
hier liegst du falsch, doch ich erkläre es dir.
Was ihr Menschen auch macht, da kann ich nichts dafür.
Ich seh das auch alles. Manchmal graust es auch mir.
Ihr braucht keinen Koran, keine Bibel zu fragen.
Worauf es wirklich ankommt, das will ich dir sagen.
Damit ihr wisst, was ihr wirklich tun sollt im Leben,
habe ich euch dereinst das Gewissen gegeben.

Hätt ich gewollt, dass ihr tut nur, was der großen Sache nützt,
dann hätt ich mir dereinst Marionetten geschnitzt.
Ich hab euch stattdessen den freien Willen gegeben,
mit der Hoffnung, dass ihr etwas macht aus euer’m Leben.

Ich fragte den lieben Gott, was kann ich als Einzelner machen.
Er sagte, da gibt es so viele kleine Sachen.
Du glaubst ja doch nicht an mich, also mußt du mich nicht fragen.
Was du tun sollst, das kann dein Gewissen dir sagen.
Ist es noch nicht ganz verkümmert, dann wird es dir raten
deinem Nächsten zu helfen, anstatt ihm zu schaden.
Warte nicht auf die Ander’n, die mehr als du besitzen.
Nur wenn selbst du etwas tust, wird es der Gesellschaft nützen.
Du bist nur ein Einzelner, das seh ich schon ein,
Doch viele wie du, könnten eine Mehrheit sein.

Ich erwachte am Morgen, vom Traum ganz benommen.
Es wenigstens zu versuchen, hab ich mir vorgenommen.